In den vorausgegangenen Abschnitten wurde die historische Vermischung von Kultur und Tradition der muslimischen Gesellschaften mit dem Islam und den islamischen Lehren thematisiert und die Notwendigkeit der Differenzierung beider Aspekte betont. Nachfolgend sollen einige Beispiele diese Vermischung deutlich machen, die dafür verantwortlich ist, dass manche Sitten und negative Traditionen auf den Prozess der Qur'aninterpretationen Einfluss genommen haben und die wahre Bedeutung der entsprechenden Verse dadurch verloren zu gehen droht.
Ein solches Beispiel ist ein Qur'anvers, der den Unterschied zwischen Mann und Frau thematisiert. Es sei jedoch vorausgeschickt, dass der Qur'an eine geschlechtsorientierte Sichtweise vom Menschen vehement ablehnt und Geschlecht, Rasse, Sprache, Denken und Glauben prinzipiell keinerlei Einfluss auf die menschliche Identität haben. Jeder Mensch ist ungeachtet der Tatsache, ob er Mann oder Frau, weiß oder schwarz, Muslim oder Nichtmuslim ist, primär ein Mensch, und aufgrund dieser gemeinsamen und gleichen Identität hat er Anspruch auf die menschlichen Rechte.
Der Qur'an lehnt eine geschlechtsorientierte Sichtweise vom Menschen vehement ab. Jeder Mensch hat ungeachtet seines Geschlechts, seiner Rasse oder seines Glaubens Anspruch auf die menschlichen Rechte.
Eines der wichtigsten und klarsten Identitätsmerkmale der vorislamischen Gesellschaft der Torheit war der Männlichkeitswahn, d. h. die Männlichkeit war ein wesentliches Element in dieser Gesellschaft. Aber Männlichkeit sollte nicht mit Patriarchalismus verwechselt werden, denn in einer patriarchalischen Gesellschaft haben auch die Frauen bestimmte Rechte. In einer solchen Gesellschaft stehen die Rechte der Frauen im Vergleich zu den Männern an zweiter Stelle, und in Wirklichkeit werden ihre Rechte als den Rechten der Männer untergeordnet definiert.
Folglich hat in einer Kultur der Männlichkeit die Frau grundsätzlich keine andere Persönlichkeit als die, dem Mann dienlich zu sein. Deshalb hat sie keine Rechte, sondern nur Verantwortung und Pflichten dem Mann gegenüber.
Obwohl es die wesentliche Aufgabe des Islam ist, die Kultur der Torheit und insbesondere die Kultur der Männlichkeit zu bekämpfen, ist diese Kultur tief verwurzelt und hat in manchen Fällen Einfluss auf die Qur'aninterpretation genommen, wodurch die eigentliche Bedeutung der Verse manchmal verloren gegangen ist.